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Siegfried Zaworka
Gernot Fischer-Kondratovitch

GALERIE UNART
 14.11. - 27.11.2008

Vernissage: am Donnerstag, den 13. November 2008, um 19.00 Uhr
Katalogpräsentation zur Vernissage: von Gernot Fischer-Kondratovitch und Siegfried Zaworka


Margit Zuckriegl

Der Blick des Zauberers
Zu einem neuen Bilderzyklus von Siegfried Zaworka

Der Mensch und das Bild vom Menschen – das Selbstbild und das fremde Bild: eine unendliche Geschichte der Veränderung und des Wandels charakterisiert den Blick des Menschen in den Spiegel und damit auf sich selbst. Mit dem Sehen des eigenen Ich geht der Wunsch nach Verwandlung einher – ein zentrales Thema der Menschheitsgeschichte in allen Kulturen und Epochen. Die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes kann jeweils ganz andere Motivationen und Intentionen haben: Angleichung, Transformation, Verschiebung und Kontrastierung können Überlegungen dafür sein; Manipulation, Verstellung, Verkleidung können die Formen sein und die inhaltlichen Ausrichtungen reichen von der Idee der Metamorphose zu der Erfindung von Zwitterwesen, von grenzüberschreitenden Experimenten bis zu virtuellen Kunstgeschöpfen.
Jeweils geht es darum, eine gesicherte, durch Konventionen abgeklärte Existenz zu verlassen, um sich einem anderen Reich, einer anderen Wirklichkeit anzunähern. Verwandlung trifft Verzauberung, Verwünschungen geschehen, magische Handlungen werden gesetzt, Bewusstseinserweiterungen und Veränderungen der Wahrnehmung treten ein.
Siegfried Zaworka hat in seinen Malereien und Zeichnereien immer diesem Potenzial zur Veränderung, jener subkutanen Bereitschaft, eine Existenz zugunsten einer neuen, gewandelten zu verlassen, nachgespürt: in Menschenbildern, Tierbildern, Mischwesen, skurrilen Szenerien. Nicht umsonst gehört das Insekt, der Käfer zum Hauptbestandteil seines bildlichen Repertoires, sind Verpuppung, Schuppung, amphibienhafte Doppelexistenz Grundtendenzen seines formalen Vokabulars.
Seine neue Serie von großformatigen Bildern mit dem titelgebenden Imperativ „Schließe deine Augen“ ist wiederum in einem mannigfaltigen Zwischenreich angesiedelt. Einerseits arbeitet er sich in geradezu altmeisterlicher Lasurtechnik, Schicht für Schicht an seine Motivik heran, andererseits verknappt er durch eine extreme Nahsicht und einen radikalen Bildausschnitt den Bildinhalt auf eine Abbreviatur: Das menschliche Gesicht wird sorgsam aufgebaut, wie die Epidermis aus Überlagerungen komponiert und dann gleichsam wieder dekonstruiert: der Blick ist ein Zauber, ein magischer Blitz, der von den Augen ausgeht; das Gesicht ist eine Landschaft der Verwünschung, in der seltsame Kräfte wirksam werden. Muss man sich vor dem Blick des Zauberers hüten und müssen die Augen geschlossen werden? Oder gilt hier die Aufforderung, den eigenen Blick nach innen zu wenden, um mit geschlossenen Augen dessen gewärtig zu werden, was inwendig west?
Das Gesicht blickt zurück auf den Maler, das Zauberwesen überprüft seinen Demiurgen.
Wie Masken aus archaischen Zeiten mit ihrer schamanischen Wirksamkeit verbergen diese Gesichter ihre wahren Charaktere. Wie Fratzen aus dem dunklen Reich der Legenden und Mythen ragen sie in unsere heutige Sphäre herein: unheimlich, unergründlich und changierend zwischen Faszination und Abschreckung.
Immer waren es die Augen, die in maskenartigen Gesichtern die größte Ausdruckskraft besitzen, die als Spiegel und gläserne Reflexe wahrgenommen werden, unter wulstigen Brauen, aus verschatteten Höhlen stierend. Immer war es der Mund, das Maul, der aufgerissene Rachen, der den Übergang von Innen nach Außen, von Hier nach Dort, zwischen Diesseits und Jenseits symbolisiert.
Die bedeutendsten Maskengesichter der Geschichte des Abendlandes sind in Verbindung mit den zwischen Verstellung und Innenschau, zwischen Sensibilität und Pathos pendelnden Auffassungen von Ritus und Theater zu orten. Das grinsende Gesicht der Komödie, die Trauer-Fratze der Tragödie, die Stein gewordene Schauspielermimik säumten Ränge und Bühnen, Friese und Tore der antiken Spielstätten. Der Menschenmund, aus dem – aufgerissen und zum bloßen Loch abstrahiert – die Worte des Dichters, des Gottes, des Mythos entströmen, kann alles hervorbringen: Lobpreisungen und Verderbnis, Hymnen und Rosen, aber auch Schlangen, Reptiliengezücht, Schleim, Insekten. Das Maul als Höllentor wird alles verschlingen: unendlich ist seine verheerende Sogwirkung und katastrophal die konvulsivische Eruption.

Das reduzierte, enigmatisch in sich geschlossene menschliche Gesicht gleicht einer Maske. Hinter solchen Larven spielt sich Unergründliches ab, das jedoch an keiner Mimik, keinem Mienenspiel, keinem Psychologismus abzulesen ist. Das Sichtbare und das Unsichtbare gehen ein fragiles Wechselspiel ein, das von der maskenartigen Erstarrung des Gesichtsausdrucks nur notdürftig kaschiert wird. Was für idealisierte Stilikonen gilt – das perfekt geschminkte Paradegesicht –, lässt Hintergründiges nur erahnen. Was, wenn durch den Blick des Zauberers die vorgeführte Pose entlarvt wird? Wenn die Maske fällt, wenn die Verwandlung sichtbar wird?
Siegfried Zaworkas Monumentalgesichter erzählen von diesen magischen Veränderungen, von den unerklärlichen metamorphotischen Vorgängen, von der erschreckenden Camouflage, die innere Vorgänge äußeren Erscheinungsformen angleicht.
Seinen Menschenbildern blickt man nicht ins Gesicht wie einem Porträt oder einem Eikon. Sie sind durch und durch rätselhaft, vielschichtig und variabel, sie künden von der Mutation und der Verwandlung, die in mittelalterlichen Bestiarien gezeigt werden, in archaischen Vasenbildern, in romanischen Fresken: Wenn das Göttliche oder das Dämonische den Menschen trifft , dann sind Verwandlungen im Gange, die selbst den Blicken der Zauberer standhalten.

 

Siegfried Zaworka
Geboren am 20. 04. 1972 in Wolfsberg/Kärnten

2008 Auslandsstipendium Berlin, Deutschland
Assistenz an der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg, Klasse für Malerei
bei Xenia Hausner
2007 Auslandsstipendium Frankfurt am Main, Deutschland
2006 Slavi Soucek-Stipendium für Grafik
2003 Auslandsstipendium Baltimore, USA
Auslandsstipendium Budapest, Ungarn
2001 Bauholding- Kunstförderungspreis
1999–2005 Förderatelier des Landes Salzburg
1998, 1999 jeweils einmonatiges Auslandsstipendium Tenno/Italien
1999–2001 Studium an der Universität für angewandte Kunst Wien, Meisterklasse für Malerei bei Prof. Herzig
1993–1997 Studium am Mozarteum Salzburg, Malerei bei Prof. Kleinpeter

Einzelausstellungen
005 „Latteria Kuckuck“, Galerie Unart, Villach
2004 „Hunde wollt ihr ewig leben?“, Galerie Pro Arte, Hallein
2004 „Is´ eh wurst“, ,,Kleine Galerie“, Künstlerhaus Klagenfurt
2003 “Keeping the doctor away”, The Whole Gallery, Baltimore, USA
„Das Vanille- Depot”, Galerie Alcatraz, Hallein
2001 „Kunstförderungspreisträger Bauholding-Strabag“; Kunstforum Klagenfurt, Klagenfurt
„Zaworka- Malerei“, Neue Galerie der Stadt Gmünd, Gmünd
1999 „Siegfried Zaworka – Malerei und Grafik“, Galerie der Stadt Salzburg, Salzburg

Ausstellungsbeteiligungen
2008 „Zeitgenössische Höhlenmalerei“, Nordic Pavillion, Wien
„Schwerpunkt Kärnten“, Galerie Unart, Villach
„Kino im Messerhaus“, mit Franz Bergmüller, Gunda Gruber und Gernot Fischer, Villach
2007 „Soucek-Grafik“, Galerie im Traklhaus/ Salzburg
„Komplett verkehrt“, Galerie Unart, Villach
„Kärnten- Mix“, Galerie Unart, Villach
„Salzburg contemporary painting“, Galerie 5020, Salzburg
,,Artists in residence”, Jahresausstellung Frankfurter Gastkünstler, ATELIERFRANKFURT,
Frankfurt am Main, Deutschland
„Hilfe, aus meinem Fernseher kommt nur Scheiße raus“ (Filmvorführung), Kulturbunker,
Frankfurt am Main, Deutschland
„Jede Menge Schokus tobt am Lokus“ ( Filmpremiere), The invisible filmfestival, Wien
„100 Jahre“, Künstlerhaus Klagenfurt, Klagenfurt
2006 „Sperm- babies“ (mit Bernhard Lochmann ), Budapest Galerie, Budapest, Ungarn
„Kunst und Wirklichkeit“, Pavillon im Mirabellgarten, Salzburg
2005 „Kaugummi, Schokolade, Nylon, Jazz – Der amerikanische Einfluss in Salzburg 1945 – 1955“,
Galerie im Traklhaus, Salzburg; UNO-City, Wien; Österreichische Botschaft, Washington, USA
„Ware Wert / Out door show“, Künstlerhaus Klagenfurt, Klagenfurt
„Der Stink des Jahrhunderts“, Galerie im Schloss Mondsee, Mondsee
„Künstler der Galerie“, Galerie Unart, Villach
2004 „Entwürfe für eine Plastik“, Studio der Galerie im Traklhaus, Salzburg
„Bodenlos“, Künstlerhaus Salzburg
„ Alles in Butter“, A.I.B.-Galerie, Internationale Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg,
Spielzeugmuseum Salzburg
Jahresausstellung des Salzburger Kunstvereins, Künstlerhaus Salzburg
2003 „BCA- Kunstpreis“, Galerie 3, Klagenfurt
„Prototypen“, Künstlerhaus Salzburg
„Damenwahl“, Pavillon im Mirabellgarten, Salzburg
„1 Bild im Cafe Kultur“, Künstlerhaus Salzburg, Salzburg
2002 „50 000 Salzburger Künstler“, Galerie Weihergut, Salzburg
Jahresausstellung des Kärntner Kunstvereins, Künstlerhaus Klagenfurt, Klagenfurt
2001 „Preisträger des Bauholding – Strabag-Kunstförderungspreises“, Kunstforum Klagenfurt, Klagenfurt
„Neuer Realismus“, Galerie Unart, Villach
„Sigi und Erich“, Kunstverein Werfen, Werfen ( gemeinsam mit Erich Gruber)
2000 „Kunstankäufe des Landes Salzburg 1998–2000“, Galerie im Traklhaus, Salzburg
1999 „Ameisen reisen zeilenweise“, Galerie Unart, Villach
1998 „Menthol“, Pavillon im Mirabellgarten, Salzburg
Jahresausstellung des Salzburger Kunstvereins, Künstlerhaus Salzburg, Salzburg
1997 „25 Jahre Galerie Elefant“, Galerie Elefant, Landeck
„Seven nights gallery“, Galerie Station 3, Wien

Arbeiten von Siegfried Zaworka befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Bundeskanzleramtes, Sektion Kunst, des Landes Salzburg, der Stadt Salzburg

 

Zur Präsentation des Katalogs von Gernot Fischer-Kondratovitch 2008

Der Katalog Gernot Fischer-Kondratovitchs präsentiert einen Überblick über sein künstlerisches Schaffen der letzten zwei Jahre. Der voraussichtliche Titel des Katalogs ist „Kleine Welt – Großer Platz“. Große Plätze, die geschichtlich vorbelastet sind, dienen dabei als Szenario zur Darstellung unendlicher Weite und der den Menschen stets inne lauernden existentiellen Sinnfragen und Sinn-Infragestellungen.

Wie auf einem Uhrzeigerblatt wandelt das menschliche Individuum über einen scheinbar unendlich großen Platz, ohne sich der Zeichen der Zeit bewusst zu sein. Die kleine Welt des einzelnen Menschen in diesem überdimensionalen Raumgefüge wird in den Bildern im Bruchteil einer Sekunde monumental festgehalten.

Die handgeschriebenen Zeilen sind Zitate aus den Erzählungen Marco Polos; sie überlagern überdimensional gemalte abstrakte Zeichen, Hexagramme aus dem chinesischen I Ging, dem „Buch der Wandlungen“, die zur Weissagung der Zukunft erdacht wurden. Zeichen für die Vergangenheit und Zukunft der menschlichen Existenz verschmelzen so in diesen Gemälden durch den wellenförmigen Rhythmus der Schreibschrift.
(Gernot Fischer-Kondratovitch, in: „zeitraumzeit“, Katalog zu Ausstellung „140 Jahre Künstlerhaus Wien“, Wien 2008)

Dokumentiert wird in dem Katalog auch die Serie von „Elefanten-Installationen“, die GFK unter anderem auf der Chinesischen Mauer, in St. Petersburg und zuletzt auch bei seiner Ausstellung im Schaukraftwerk Forstsee (Techelsberg am Wörthersee) im Rahmen von K08 inszenierte.

Neben seiner Malerei beschäftigte sich GFK in den letzten zwei Jahren auch mit der visuellen Umsetzung seiner Musik mittels Animationstrickfilm. Dafür gründete er gemeinsam mit dem Klagenfurter Rene Stopper ein Internationales Online Orchestra, von dem so namhafte Künstler wie Harri Stojka (bei dessen Personale spielte er mit ihm live im Porgy & Bess in Wien) oder Paolo Sorge (Sizilien) und Alessandro Viccard (spielte zuletzt für Peter Greenaway) als Gastmusiker eingeladen wurden.

Zum Katalog erscheint ein Text von Günther Oberhollenzer (Kurator der Sammlung Essl).

Gernot Fischer-Kondratovitch
1968 geboren in Villach
1989/90 Studium an der Escuela de Artes Visuales in Caracas, Venezuela
1991/95 Mozarteum Salzburg , Klasse Grafik
1995/97 Akademie der Bildenden Künste Wien, Diplom zum Mag. Art.
Seit 1997 freischaffender Künstler
Lebt und arbeitet in Wien und Kärnten
Seit 2001 Mitglied des Kärntner Kunstvereins

Ausstellungen (Auswahl)
1997 Galerie Unart, Villach
Galerie Wolfrum, Wien
1999 Galerie Unart, Villach
2000 Galerie der Stadt Villach (Kunststipendium der Stadt Villach)
2001 Art-Club Uno City, Wien
NN-fabrik, Oslip
Galerie Wolfgang Exner, Wien
„coming out analyse“, Gruppenausstellung, Kunstverein Kärnten, Klagenfurt
2002 Galerie Wolfgang Exner
Casa Alejandro de Humbold, Havanna, Kuba
2003 Art Innsbruck (Galerie Unart)
Galerie Daniel Martinez, München
„Reality Check“, Wanderausstellung der NöArt
2004 „Hommage à Picasso“, Gruppenausstellung, Galerie Wolfgang Exner
„Neuigkeiten“, Gruppenausstellung, Galerie Unart, Villach
Artposition – Junge Kunst aus Österreich, Gruppenausstellung, Ottakringer Brauerei, Wien
LP-Installation am Scopetone-Festival, St. Petersburg, Russland
2005 „Die Farbe stiehlt der Form ihre Bedeutung“, Galerie Unart, Villach
Galerie Wolfgang Exner
ar.fair Köln (Galerie Wolfgang Exner)
Fiera d’arte Bolzano/Bozen (Galerie 3)
2006 „Spring“, Gruppenausstellung, Galerie 3
„Kärntenmix“, Sommer-Gruppenausstellung, Galerie Unart, Villach
art.fair Köln
2007 CNAP Expo, Gruppenausstellung chinesischer und österreichischer Künstler, Dr. Gallery, Peking
„Am großen Platz“, Galerie Unart, Villach
2008 Bäckerstraße 4, Wien
Kunstverein Kärnten, Klagenfurt
Viennafair 2008 (Galerie 3)
„Schwerpunkt Kärnten“, Sommer-Gruppenausstellung, Galerie Unart, Villach
Schaukraftwerk Forstsee, Techelsberg am Wörthersee (im Rahmen von K08)
„Zeit Raum Zeit. Die Zeit ist gleichsam in uns drinnen“, Gruppenausstellung, Künstlerhaus Wien

ANKÄUFE
2002 Stadt Klagenfurt
2003 Stadt Villach
2003 Museum Moderner Kunst Klagenfurt
2004 Stadt Wien
2005 Bundeskanzleramt