WALDE, Alfons 1891 – 1958
Sarntaler Wirtsstube
€ 90.000 – 120.000
Öl auf Karton
48,3 x 69 cm
Signiert rechts unten:
A.Walde
Rückseitig Originaletikett:
ALFONS WALDE
Kitzbühel/ Tirol
N°
Titel SarntalerWirtsstube (eigenhändig)
Preis
Original-Walde-Rahmen
Einzige bekannte Fassung
Provenienz:
Seit 1926 Privatbesitz. Österreich
Ausstellungsetikett: 1926-Nr.196
Künstlerhaus-Wien
Weihnachten 1926
Betrifft: Wissenschaftliche Beurteilung des Gemäldes von Alfons Walde „Sarntaler
Wirtsstube“
Bezugnehmend auf Ihre Anfrage darf ich bestätigen, dass das mir am 14. Oktober
2008 in Ihren Galerieräumen im Original gezeigte Gemälde „Sarntaler Wirtsstube“ m.
E. ein eigenhändiges Werk des Kitzbühel Malers Alfons Walde (1891 – 1958) aus den
Jahren um 1928 ist. Das Gemälde ist in Öl auf Karton gemalt, misst in der Höhe 48,3
cm und in der Breite 69 cm. Es trägt rechts unten die Signatur: A. Walde (mit tief
gesetztem a, vgl. Gert Ammann, Alfons Walde 1891 – 1958, 5. Auflage, Innsbruck –
Wien 2005, Seite 179. Rechte Spalte unten). Auf der in Rotbraun bemalten Rückseite
klebt in der Mitte das in Schwarz gedruckte Etikett: ALFONS WALDE Kitzbühel /
Tirol N° Titel: Preis: und der in grauer Tusche von Walde selbst geschriebene
Bildtitel: Sarntaler Wirtsstube. Das Gemälde ist mit dem von Alfons Walde selbst
kreierten originalen Rahmen mit breiter Hohlkehle gerahmt. Das Gemälde und der
Rahmen weisen optisch keine Restaurierungen auf und erscheinen im ursprünglichen
Zustand mit der gewachsenen Patina. Der Blick geht diagonal in eine Bauernstube,
am über Eck gestellten Tisch haben sechs Bauern Platz genommen, drei Bauern sitzen
rechts auf einer Bank, die anderen an den drei anderen Tischkanten. Die beiden
diagonal zueinander sitzenden Bauern haben ihre rechte Hand auf die Tischplatte
gelegt, um ein Schnapsglas zu ergreifen. Rechts in der Ecke hockt unbeteiligt und in
sich versunken eine Bauernfrau mit blauer Schürze. Die Gesichtszüge der Bauern und
der Bäuerin sind nur angedeutet, es wird sichtlich kein Wort gewechselt. An den
Raumwänden sind je ein Fenster mit tiefer Laibung eingelassen, durch die das Licht
in den Raum einströmt. Durch das rechte Fenster sind rote Blumen mit grünen
Blättern zu sehen. In der Raumecke – im Herrgottswinkel – hängt ein mit roten
Blumen gezierter Kruzifixus.
Der Raumfarbton ist in ein kühles Grauweiß getaucht, die Kleidung der Männer mit ihren
dunkelbraunen Hosen, Joppen und Hüten und den im Seitenlicht aufleuchtenden weißen
Hemdärmeln fügt sich dem Gesamtton ein. Allein die roten Blumen vor dem Fenster und
am Kruzifixus verleihen dem Motiv leuchtende Akzente. Die Malweise mit den pastosen,
trocken aufgetragenen Farbmodellierungen ist charakteristisch für Alfons Waldes später
Malphase. Typisch für Waldes Malstil ist auch das Durchscheinen des Bildträgers Karton an
den Konturlinien, speziell beim Ärmel des links sitzenden Bauern und an der rechten
Fensterlaibung.
Alfons Walde hat in den Jahren um 1928, wohl im Zusammenhang mit den Entwürfen
„Nordtirol und Südtirol“ zum Innsbrucker Hauptbahnhof, Bauernmotive wie die „Bauern am
Tisch“ (um 1928) oder „Bauernstube (Feierabend)“ (1928) gestaltet (vgl. Gert Ammann, a,
a.O., Seiten 294-297). In diesen Motiven versucht sich Walde mit Interieurdarstellungen, die
vll. Thematisch an Gemälde des 1926 verstorbenen Albin Egger-Lienz erinnern. Diese
Motive sind die einzigen Kompositionen, in denen man eine gewisse Nähe zu Eggers
Bauernsujets erkennen kann. Sonst dominiert eine andere, eine lebensfrohe Mentalität in
Waldes Gemälden wie etwa in der „Begegnung“ (1924) oder dem „Bauernsonntag“ (1927).
Das vorliegende Gemälde ist eines der wenig bekannten Beispiele, in denen sich Alfons
Walde dem Thema „Bauern im Interieur“ widmet. Umso bemerkenswerter erscheint das
Gemälde im Gesamtoeuvre.
Völs 2008-10-19 Dr. G. Ammann
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