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Anläßlich des 10jährigen Todestages
von Kurt Kocherscheidt zeigen wir sieben Leinwände aus den
Jahren 1984 und 1985.
Ergänzt wird diese Gruppe, die aus einer Berliner Privatsammlung
kommt durch einige Arbeiten auf Papier.
Die Leinwände stammer aus einer Zeit, in der Kocherscheidt,
der nach eigenen Aussagen in den 60er Jahren viel Zeit mit den Malern
der "Wirklichkeiten" verbracht hat, die Beschäftigung
mit dem Gegenstand, mit seinen Gegenständen, den Pflanzen,
der wuchernden Natur, auch dem menschlichen Körper bereits
hinter sich gelassen hat.
Die Bilder unserer Ausstellung bilden keine Wirklichkeit mehr ab
- vielleicht ist sie noch als Reflexion vorhanden - das eigentliche
Thema Kocherscheidts aber ist jetzt die Malerei, eine Malerei die
unter Verzicht auf jede vordergründige ästhetische Qualität
und Eleganz, die ihre wesensimmanenten Gesetzmäßigkeiten
erforscht. Diese Bilder in ihrer Konsequenz und ihrer düsteren
Schönheit bilden nicht mehr ab. Sie haben ihr eigene Wirklichkeit
gefunden. Ihre Autonomie rückt sie in die Nähe der Musik
" ...das Geräusch der Oberflächen, das Dröhnen
der Bild- und Farbflächen, das Tempo der Zeiten".
(Zitat Wolfgang Rihm).
Ein Werksverzeichnis von Kurt Kocherscheidt ist in
Vorbereitung.
Kurt Kocherscheidt geb. 1943 in Klagenfurt, gestorben 1992.
Trumm und Splitter, ein elegischer Ansatz.
wie aus einem Ofen fegt der brennheisse Gedanke aus
dem Hirn;
erkaltet, auf dem Weg zur Hand, fliegt er auch schon
über die Schulter, liegt er zermettert da im tiefen Schacht.
Wie in Butter presst sich die Ferse in die Erde und
hinterläßt einen scharfkantigen Eindruck, schon füllt
er sich mit weichem Wasser, ein kleiner Torbogenteich.
Wie eine zweite Haut knittert die nasse Hose auf dem
bebenden Körper, schon damft sie auf und ist mit einem scharfen
Faltennetz überzogen.
Wie ein Tier wälzt sich das Auge herum, während
es einer Bahn folgt, schon schliesst es sich wieder und zeichnet
gelbe Splitter auf die schwarze Tafel.
Farben erzeugen Trommeltöne und schon geht ihnen
der Rhythmus verloren.
Ein Trumm rumpelt in seiner Wanne, haut sich Splitter
ab und ist wie sein eigener Bildhauer.
Zellen teilen sich in Spiegelbilder, Schwierigkeiten
mit der Symmetrie.
Schliesslich bleiben Pinsel stecken wie ein Kleister,
Spachteln kommen ihnen zu Hilfe.
Millionen Ameisen treten einen Weg aus, schon blitz
es, donnert und der Regen haut ihnen alles zusammen.
Aber die Nacktschnecke gleitet über die Tümmer
die ganze Nacht, malt und malt Muster über Muster, dumpfe Zeichen
der Natur.
Juni 1986
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